Hier mal ein "kurzer" Abriss meiner sportlichen Aktivitäten und wie ich dann letztlich beim Laufen gelandet bin:

 
"Ballsport":

Sport hat mir immer schon Spaß gemacht. Wie viele Kinder war auch ich sehr gerne auf dem Bolzplatz und meine "Heros" waren damals ohne Frage die Fußballer (kann ich heute gar nicht mehr verstehen ;-)). Vereinsmäßig trat ich 1977 einem Tischtennisverein im Nachbarort bei und obwohl das "Kicken" meine eigentliche Leidenschaft war, machte mir das TT-Training dort von Anfang an auch sehr viel Spaß. In den Folgejahren errang ich in der Schüler-/Jugendzeit einige vereinsinterne Titel im Doppel und Einzel, die meiner weiteren Motivation nicht abträglich waren. Mit einer 4er Mannschaft spielte ich zudem noch in Meisterschaftsrunden mit und wir schafften 1x den Aufstieg in eine höhere Klasse, wo wir in der Folgezeit immer recht weit vorn mitmischen konnten. Nach dem Sprung in die Herren spielte ich zuerst in der 2. Mannschaft für ein paar Jahre auf Kreisebene, bevor ich den Sprung in die 1. Mannschaft schaffte, in der ich für 5 Jahre auf Bezirksebene spielte. Wir stiegen sogar für eine Saison in die Landesliga auf, bekamen da jedoch eine "Klatsche" nach der anderen und stiegen prompt sang- und klanglos wieder ab. Danach bekam der Verein von extern einige neue, sehr spielstarke Spieler und ich ging wieder zurück in die 2. Mannschaft. Dort hatten wir für 3 Jahre eine tolle Mannschaft, bei der menschlich fast alles zusammen passte und wir auch außerhalb des Sportes viel gemeinsam unternahmen (Urlaub u.ä.). Der sportliche Erfolg war auch da, indem wir den Aufstieg von der Kreisliga in die Bezirksklasse schafften. Allerdings wurde unsere Mannschaft dann 1995 wieder auseinander gerissen und ab da ging es mit meiner Motivation für TT so langsam bergab. Neben des Auseinanderfallens der Mannschaft war die fehlende sportliche Aus- bzw. Belastung ein weiterer Grund für meine Motivationslosigkeit, was nicht heißen soll, dass ich so überlegen spielte - eher im Gegenteil. TT ist halt ein sehr techniklastiges Spiel und es kommt oft vor, dass Spieler mit guten Aufschlägen oder durch "Tricksen" mit unterschiedlichen Belägen ein Spiel "kaputt" machen können, so dass kein vernünftiger Spielfluss zustande kommt. Zu dieser Zeit fing ich nebenher noch an, Badminton und Squash zu spielen, was mir beides sehr viel mehr Spass machte, da ich mich dort so richtig auspowern konnte. Allerdings betrieb ich das nur "just for fun", ohne Teilnahme an irgendwelchen Meisterschaftsrunden oder ähnlichen Ambitionen.


Der Einstieg zum "Laufsport":

Laufen fand ich früher eigentlich total langweilig. Zwar wusste ich durch den Schulsport und den darin gelegentlich durchgeführten 1000m-Läufen, dass mir das ganz gut lag, aber wie schon oben erwähnt, hatte ich damals das Motto: 'Wenn schon laufen, dann muss ein Ball dabei sein'.

Im Jahr 1998 fing ich mit dem Joggen an, da ich durch 2 Verletzungen mit operativen Eingriffen (Knorpelschaden im Knie, Bänderriss im Sprunggelenk) plötzlich 10kg mehr auf der Waage hatte. Neben meinen sonstigen sportlichen Aktivitäten ging es nun an jedem 2. Wochenende für ca. 10km auf die Piste. Meine Standardstrecke war dabei die schöne Obernau-Talsperrenrunde und ich fühlte mich, nachdem ich mich anfangs eher durchquälen musste, recht schnell wieder fit. Da an der Obernau-Talsperre jedes Jahr der Silvesterlauf stattfindet, meldete ich mich dort mal spontan beim "Hobbylauf" an. Immerhin schaffte ich mit dem o.a. "Trainingsaufwand" von max. 10km/Woche auf der nicht ganz einfachen 10km-Strecke eine Zeit von 42:13min, was ich damals allerdings gar nicht einordnen konnte, in der Nachbetrachtung vom Verhältnis Input/Output bzw. Aufwand/Ergebnis nicht so schlecht gewesen ist.

Das sporadische Joggen behielt ich die nächsten Jahre so bei, aber 2001 sollte dann der entscheidende Kick für die "etwas" ambitioniertere Lauferei kommen. Ich lief mal wieder meinen üblichen "Jahresausklangs-10km-Silvesterlauf" und staunte im Ziel nicht schlecht, als mein TT-Vereinskollege Jörg den gleichzeitig ausgetragenen Halbmarathon "finishte". Wie sich schnell herausstellte, bereitete er sich auf den Köln Marathon im darauf folgenden Oktober vor. Ich hatte vorher nie den leisesten Gedanken daran verschwendet, an einem Marathon teilzunehmen - die 10km-Runde war immer noch hart genug für mich. Das Wort "Marathon" war für mich seit je her ein Synonym für die größtmögliche sportliche Belastung bzw. Quälerei gewesen. Genau das war natürlich der Reiz der Sache, wobei ich bis dahin noch nie auf den Gedanken gekommen war, dass das für mich (als sportlichen "Normalo") mal in Frage kommen könnte. Auf jeden Fall hatte ich dort im Zielbereich des Silvesterlaufes 2001 beim Gespräch mit Jörg "Blut geleckt".

Sich sowas vorzunehmen ist die eine Sache - die andere ist, das Ganze dann umzusetzen. Klar war mir auf jeden Fall, dass ich mit meinem 10km-Läufchen alle 2 Wochen keinen Marathon laufen können würde. Und 9 Monate Vorbereitungszeit für "von 0 auf 42" waren von meinem damaligen Gefühl her auch nicht besonders viel (übrigens auch nicht nach meinem heutigen Gefühl ;-)) - keine Ahnung, ob das überhaupt schaffbar oder realistisch war. Ich fing aber einfach mal an, langsam den km-Umfang zu steigern: Im Januar erhöhte ich die Streckenlänge an jedem 2. Wochenende auf 20km. Natürlich immer noch zu wenig, aber ich wollte ja auch nicht zu schnell zu viel steigern. Im April erhöhte ich dann mein Trainingspensum auf 2x die Woche. Erst 2x 10km, im Mai dann immer ein 10er und ein 20er. Ich erinnerte mich an unser Intervall- bzw. Pyramidentraining im Sportunterricht (Schule hat also doch was gebracht...) und integrierte dies gelegentlich in die 10km-Läufe. Auf diese Weise ging es weiter bis Anfang August als wir zum Sommerurlaub auf Fehmarn fuhren. Da der Marathon ja Anfang Oktober stattfand, war also nicht mehr so viel Zeit. Der Urlaub sollte sich aber als eine hervorragende Gelegenheit herausstellen, in eine noch ausgeprägtere Phase (;-)) der Vorbereitung überzugehen. In den 14 Tagen Fehmarn lief ich jeden Tag mindestens 1 Stunde inklusive eines 2½-Stundenlaufes über 30km. Dies war für mich damals der mit einigem Abstand längste Lauf und der erste Zeitpunkt, an dem ich anfing, an ein erfolgreiches Gelingen des "Projektes Marathon" zu glauben.

Nach dem Urlaub erfuhr ich von Jörg von der Existenz eines ominösen Marathon-Trainingsplanes, dem "Greif-Countdown", ein 8-Wochen Plan, den man frei downloaden konnte. Es waren zwar nur noch 6 Wochen zum Marathon, aber ich schaute mir das Teil mal an und nicht zuletzt durch die derben Motivationssprüche des Autors belustigt, stieg ich bei Woche 3 in den 4-Tage-Plan ein. Zuerst musste lt. Plan die Zielzeit festgelegt werden. Obwohl ich mittlerweile die 10km unter 40min laufen konnte (wie ich bei einen Trainingstempolauf herausgefunden hatte) wählte ich mein Zeitziel mit 3½ Stunden eher vorsichtig, da mir einfach die Erfahrungswerte fehlten. Aber die Zeit sollte für den ersten Marathon ja sowieso zweitrangig sein - eher ein Anhaltspunkt für das Training als ein wirkliches Zeitziel. Die weiteren Wochen versuchte ich die Vorgaben des Planes so gut wie möglich einzuhalten, wobei die langen 35km-Läufe mit der wöchentlich steigenden Endbeschleunigung eine neue Dimension in Sachen "an die eigenen Grenzen gehen" für mich darstellten. Dagegen fielen mir die Vorgaben für die Intervalleinheiten eher leicht und ich war dabei immer um einiges schneller.

Und dann kam er endlich, der Tag der Marathon-Premiere.