| Hermannslauf (31km +515/-710Hm) - 17.04.2011 Detmold --> Bielefeld |
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Der Hermannslauf
sollte dieses Jahr lauftechnisch für mich das "Frühlings-Highlight"
werden. Der Lauf ist ja in Ost-Westfalen schon seit 40 Jahren der absolute
Kultlauf und ich hatte mir schon vor ein paar Jahren vorgenommen, dort
irgendwann mal mit 7000 weiteren Läufern durch den Teutoburger Wald
zu hetzen. Allerdings ist der "Hermann" durch die Kombination
von Streckenlänge und Höhenmeter auch nicht gerade ein Kinderspiel
und einige behaupten sogar, dass er mindestens so hart wie ein Marathon
sei. Gemessen daran war mein Training eher spärlich gewesen, auch
wenn ich meine Probleme mit dem Piriformis so weit in den Griff bekommen
hatte und ich nach dem Obernaulauf wieder einigermaßen "normal"
trainieren konnte. Nachdem mich Jörg um 6 Uhr zu Hause abgeholt hatte
und wir um kurz vor 8 in Bielefeld angekommen waren, ging es nach Abholung
der Startunterlagen relativ zügig mit einem der ca.120 Busse nach
Detmold zum Startbereich am Hermanns-Denkmal. Dort konnten wir dann fast
2h bei wunderschönem Wetter auf den Start warten, der für die
erste Startgruppe pünktlich um 11:00 erfolgen sollte. Die ersten
4km führten überwiegend über Asphalt bergrunter ins Tal,
was ich nicht gerade als angenehm empfand. Danach ging es dann erstmal
relativ flach im Wald weiter und das Laufgefühl wurde besser. Nachdem
ich bis ca. km 6 mit Jörg zusammengelaufen war, verloren wir uns
nun bei dem ständigen Auf und Ab auf anspruchsvollem Untergrund etwas
aus den Augen. Das erste atmosphärische Highlight befand sich auf
der Panzerstr. bei km 10, wo man durch ein Spalier von vielen Zuschauern
lief und ich den öfters gelesenen Vergleich zu der Tour de France
Etappe L´Alpe d´Huez wirklich gut nachvollziehen konnte. Danach
ging es wieder in den Wald, wo Jörg zu mir auflief und wir die nächsten
2-3km zusammenliefen. Es lief eigentlich recht locker und ich war fast
schon etwas verwundert darüber. Damit war es dann aber bei km 15
vorbei, denn hier ging es auf einem relativ langen, giftigen Anstieg den
Tönsberg hoch und ich konnte etwa nach der Hälfte des Anstieges
Jörg nicht mehr folgen. Danach ging es relativ lang und teilweise
auch sehr steil den Tönsberg runter nach Oerlinghausen, wo zwar stimmungsmäßig
die Hölle los war, ich mich aber durch das lange Bergablaufen nun
gar nicht mehr gut fühlte. Ich spürte nun zudem ein Gefühl
von Unterzuckerung und trank an der nächsten Getränkestelle
etwas Cola. Da noch nicht mal die km 20-Marke erreicht war, machte ich
mir hier schon etwas Sorgen, wie ich die restlichen 12km überhaupt
überstehen sollte, zumal ich wusste, dass noch ein paar "Hammerstücke"
zu bewältigen waren. Dazu zählten z.B. die berüchtigten
Lämershagener Treppen, die bei km 24 auf uns warteten. 45 Höhenmeter
mussten hier auf kurzer Distanz mit 130 Treppenstufen überwunden
werden. Danach ging es mir zumindest kopfmäßig wieder etwas
besser. Allerdings merkte ich auf dem folgenden Bergabstück, dass
es auch mit meiner Oberschenkelmuskulatur immer mehr bergab ging. Jeder
Schritt tat einfach nur noch weh und nun war für mich auch der Vergleich
zu einem Marathon sehr gut nachzuvollziehen. Das Gute an dem riesigen
Teilnehmerfeld war hier, dass man ja immer Leidengenossen um sich herum
hatte. Viele, die ich bergauf überholte, weil sie z.B. gingen, liefen
bergab wieder locker an mir vorbei und das Spielchen wiederholte sich
dann ein paar Mal. Manche gingen sogar bergab ... was ich sehr gut nachvollziehen
konnte. Bei km 27 warteten nochmal weitere Treppen, aber nun wusste ich,
dass danach das Schlimmste geschafft sein würde. Trotzdem zogen sich
mit den kaputten Beinen selbstverständlich auch diese letzten 3-4km
noch wie Kaugummi, bevor man endlich in den Zielbereich bei der Sparrenburg
in Bielefeld kam. Je näher man nun dem Ziel kam, desto größer
wurden die Zuschauermassen am Streckenrand. Dies und ein paar Endorphin-Schübe
veranlassten mich dann auf den letzten 300m sogar zu einer noch 100m vorher
nie für möglich gehaltenen Schlussbeschleunigung, die das Ganze
für mich zu einem richtig tollen Zieleinlauf werden ließ. Die Lobeshymnen auf den "Hermann" sind zweifellos berechtigt. Muss ja auch irgendwie etwas dran sein, wenn eine so anspruchsvolle Strecke mit "krummer" Streckenlänge von einem solch großen Teilnehmerfeld in Angriff genommen wird, wie man es sonst nur von den Marathonläufen (und teilw. den dazu gehörigen Halbmarathons) kennt. Ich habe auf den letzten 10km ganz schön gelitten, was aber wohl auch irgendwie dazu gehört. Ein paar lange Trainingsläufe mehr hätten mir aber trotzdem nicht geschadet denn ein 25er und ein 30er waren dann wohl doch etwas wenig. Es war aber trotzdem ein toller Lauf, den ich bestimmt nochmal wiederholen werde. Und mit dem Ergebnis bin ich bei meiner ersten Teilnahme auch ganz zufrieden. Ich hatte mir als Zielzeit mal grob die 2:20h vorgenommen (obwohl mir das zwischendurch mal sowas von sch...egal war ;-)), wobei es bei Strecken mit solchen Profilen ja immer schwer ist, sich im voraus eine Renneinteilung incl. Zielzeit zurechtzulegen - vor allem wenn man die Strecke noch nicht gelaufen ist. |
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